Erste Schritte

Im Sommer 1998 begann ich, auf der Suche nach einer neuen Rasse zum Einkreuzen in meine Schwarzloh/ Braunsilber/ Stallkaninchen-Zucht, einige Rassekaninchenausstellungen zu besuchen. Bei einem der Besuche auf einer regionalen Ausstellung traf ich Alfons Blumöhr, seines Zeichens Landesschulungswart des Landesverbandes Hessen-Nassau. Dieser erzählte mir von der Arbeit in den Vereinen und den Vorteilen, die eine intensivere Beschäftigung mit der Rassekaninchenzucht mit sich bringen würde.

Motto: " Junge Leute braucht unsere Zunft ! "



Rassewahl und Immobilienmarkt

Über kleine Umwege gelangte ich an die Telefonnummer des 1.Vorsitzenden des örtlichen Kleintierzuchtvereines H470 Schlüchtern Günther Müller. Dieser suchte mich zu Hause auf, besichtigte meine Stallungen, gab mir den einen und anderen Rat. Er verlies mich unter Zurücklassen eines Kaninchenstandards, aus dem ich mir eine Rasse zur Zucht aussuchen könnte. Etwas unentschlossen blätterte ich diesen von hinten nach vorne durch und landete letztendlich bei den Deilenaar. Dieser sehr vorläufigen Entscheidung gingen einige Telefonate mit Zuchtfreund Müller voran. Vorläufig deshalb, da dieses Kaninchen ja nur 2.750g wiegt und somit contraire zu meinem erklärten "Zuchtziel" eines ca. 3500 g schweren, sich dem Brattopf anschmiegendes, schwarzlohfarbigen "Hasen" stand.
Was hat mich nun letzten Endes zur Rassekaninchenzucht gebracht?

Es war der Ausspruch von Zuchtfreund Günther Müller: Man kann auch Rassekaninchen essen ! Das überzeugte mich!
Schwupps, schon fand ich mich auf der Jahreshauptversammlung dieses Vereines wieder.
Bei der Beschaffung einer Häsin und eines Rammlers dieser Rasse war mir Zuchtfreund Müller behilflich und so fuhren wir an einem Sonntag Ende Februar gemeinsam mit meiner Frau Daniela zu Frank Weis nach Bad Orb. Dort trafen wir auch Zuchtfreund Günther Ditzel aus Büdingen, der eine Häsin aus seiner Zucht mitgebracht hatte. Bei Zuchtfreund Weis wurde ein Rammler erstanden und nun konnte es beginnen.
Da Rassekaninchen einen Anspruch auf Einzelzimmer haben, mussten die bereits vorhandenen 'Hasen' nebst Nachwuchs etwas zusammenrücken. Ich war zu diesem Zeitpunkt Eigner von 10 Buchten in einem zum Teil sehr historischen Rahmen. Mit den 2 Würfen aus dieser Verpaarung stellten sich 13 Deilenaar ein, die auch ein Zuhause brauchten und dieses in den Stallungen von Bekannten und Zuchtfreunden fanden. Dies war der erste Schritt zu "Hüttenhausen" wie ein Nachbar trefflich bemerkte, eine Ortschaft mit Expansionsdrang.
Die weitere Begleitung meiner züchterischen Anfänge durch neu gewonnene Zuchtfreunde und Mitglieder des Vereines war sehr wichtig für mich und wird es auch weiterhin bleiben. Ein Verein oder Club der seine "Neuen" im Alleingang ihren anfänglich doch mühseligen Weg gehen lässt, wird diese unweigerlich verlieren. So wuchs ich langsam in die Kaninchenzucht hinein.



Das "erste" Mal

Es kam der Herbst 1999 und die Zeit der Ausstellungen begann. Zuchtfreund Ditzel ist Mitorganisator der Büdinger Jungtierschau und so wurde diese meine "Erste".
Das Schaufertigmachen erfolgte gemeinsam mit meiner Frau, die von Anfang an sehr viel Verständnis und Interesse an meinem neuen Hobby hatte und oh Wunder immer noch hat. Meines Erachtens immens wichtig, wie der zukünftige Zeitaufwand zeigte.
Einsetzen, kurzer Plausch mit den noch wenigen bekannten Zuchtfreunden und das lange Warten auf das Ergebnis. Am Samstag fuhr ich mit etwas feuchten Händen die verhältnismäßig wenigen Kilometer zur Ausstellungshalle. Rückblickend sachlich formuliert: 32/19 darunter ein sg 6 und meine erste Med!
Kein niederschmetterndes "nb" und nicht der Erste von Hinten, geben Mut zum Weitermachen. Es folgte die Lokalschau unseres Vereines: Vorbereitung, Aufbau, Umtrunk, Bewertung, Feiern und Abbau, alles in allem zeigte sich hier das Vereinsleben von seiner schönsten Seite. Auf dieser Schau erhielt unser getauftes "Kamel" seine Ausstellungsweihen ( stell ihn doch hin, ist doch nur eine von vielen!) . Kamel, weil er mit seiner länglichen Schnauze und der selbigen Form einem ähnelte und mit 92,5 Pkt. vom Tisch ging.



Mut zeigt selbst der Anfänger

Du hast doch gute Tiere, stell` doch auf der Bundesschau aus! Gesagt getan, den Meldebogen aus dem DKZ herausgetrennt und die unglaubliche Summe von über 100 DM überwiesen. Kaninchenzucht ein teures Hobby? Nein, jedes Hobby hat seinen Preis und jedes ist es allemal wert. Die 24. Bundes-Kaninchenschau in Essen war das Highlight des ersten Zuchtjahres. Die hier geknüpften Kontakte u.a. zu Georg Nachtmann und Reiner Perl bestehen weiterhin und bereichern mein Wissen über diese Rasse bis heute. Mit einer Zuchtgruppe in der sich 2 V-Tiere befanden und mit 386 Pkt. bewertet wurde, fand ich mich auf dieser Schau unter den 4 Besten unserer Republik wieder.
Dies bringt einem zwar nicht sooooviel Telefonterror ein, wie der Deutsche Meistertitel von Zuchtfreund Frank Weis, aber auf den können wir beide gerne verzichten. Oder wer wir schon gerne an einem Sonntagmorgen um 7.00 Uhr mit der Frage geweckt: Brauch dringen noch ein Spitzentier von ihnen, will aber nur 30 Mark ausgeben und können sie es mir vorbeibringen !????



Neues Jahrtausend, neues Glück!?

Durch den Zukauf einer "Nachtmann-Häsin" auf der Büdinger Jungtierschau und eines Rammlers von Herbert Höfling auf der Landesclubschau in Michelstadt/Odenwald konnte ich meine Zucht weiter ausbauen. Auch im Verein ging es mit mir bergauf, schwupps war ich Zweiter Vorsitzender, wie sagte doch Alfons Blumöhr nochgleich auf dieser Lokalschau!?
Das Jahr 2000 brachte gleich mehrere Höhepunkte mit sich. Unser Vereinsausflug mit 50 Personen nach Lüneburg und den Vogelpark Waldsrode, die bundesoffene Clubvergleichsschau des Deilenaar und Schwarzgrannen Clubs Württemberg-Hohnezollern und die Ausrichtung der Kreisschau durch unseren Verein H470.

Die Vergleichsschau an der ich als Nicht-Clubler teilnahm, brachte neben der Enttäuschung über ein nb sehr viele schöne Momente mit sich. Ich habe hier in den Zuchtfreunden und Zuchtfreundinnen einen wesentlichen Bestandteil des Hobbies Rassekaninchenzucht gefunden und möchte diese Gemeinschaft zukünftig nicht missen. Stellvertretend für die vielen neuen Bekanntschaften möchte ich hier Steffi und Steffen Wehrle, Heike und Andreas Lambrecht nennen, mit denen Daniela und ich einen über die Kaninchenzucht hinausgehenden freundschaftlichen Kontakt pflegen.

Über die Organisation und den Verlauf der Kreisschau gehe ich an dieser Stelle nicht im Detail ein, sondern verweise auf den Link "Verein". Nur soviel sei gesagt, nach viel geopferter Freizeit und dem Wort Stress alle Ehre machenden Ausstellungstagen und nachdem Verhallen der letzten Kritik an dem einen oder anderen schier Unausweichlichen, es hat Spaß gemacht.
Züchterisch bleibt noch zu sagen: Kreismeister mit 382 Pkt., 2.Platz auf der Landesrammlerschau mit 383 Pkt. und den Klassensieger mit 97,5 Pkt. auf der Bundesrammlerschau in Lingen/Ems. Erfolg ist nur schön, wenn man ihn auch teilen kann.
Im Jahr 2001 bin ich dem Deilenaar-Club Hessen-Nassau beigetreten. Ein weiteres richtungsweisendes Ereigniss, welches die Deilenaar-Zucht in Deutschland in den kommenden Jahren nachhaltig beeinflussen wird, war eine anlässlich der Bundesrammler-Schau in Lingen/Ems erfolgte Club-Neugründung. Unter Beteiligung von Frank Weis, Günther Ditzel, Gerd Wimmer und meiner Person, sowie dank der modernen Telekomunikation Steffen und Steffi Wehrle, erfolgte die Gründung des "Georg Nachtmann-Jäger-Clubs". Gegenstand dieser Vereinigung ist es, den an dieser Stelle für seine Verdienste und sein persönliches Engagement dank zu sagendem Georg Nachtmann, anlässlich einer der kommenden Bundesschauen vom Thron zu stoßen.

Jo Härter